Seit der ersten Scriptfassung von die 120 Tage von Zion hat sich einiges getan so das ich mich veranlasst sehe einige Dinge neu zu bewerten und auch schriftlich niederzulegen.

Zum ersten ist es die fast völlige Überarbeitung des erzählerischen Stoffes. Die eigentliche Handlung des de Sadschen Urstoffes, verbleibt jetzt fast gegen Ende einer Fertigstellung zum Expose, nur noch ein schmales Rückgrat im zweiten Akt. Das heißt die Geschichte der vier Herren ist nur ein Handlungsstep ( wenn aber noch wichtiger) auf dem Weg zum Finale.

Aber in diesem Text geht es weniger um die narrative Ebene des Filmes als vielmehr um seine formale, konzeptionelle Dimension. Er ist deutlich ein Mashup zwichen den fantastischen Elementen Science Fiction/Utopie, Horror/Dark Drama und Fantasy/Märchen. Er benutzt märchenhafte Attribute wie Riesen und Könige ebenso wie er mit utopischen Konzepten arbeitet. Der Horror bzw das Dark Drama Element sind dagegen in seiner ästethischen Dimension klar und deutlich als pornografisch bzw. postpornografisch zu bezeichnen. Was dies genau bedeuten soll kann uns nur ein kurzer Abriss über die Geschichte des pornografischen Kinos verdeutlichen. Um Mißverständnisse gleich von vornherein zu vermeiden ist klarzustellen das damit nicht der handlungsfreie Pornofilm des Videotheken bzw Internet Youporn Zeitalter gemeint ist, sondern der Film der es vermag  nicht etwa nur aus einer losen Aneinanderreihung von Sex-Nummern zu bestehen, sondern diese in eine kohärente Handlung zu integrieren. Zu nennen wären da unter anderem Michael Winterbottoms “9 Songs”, Caspar Noers “Irreversible” oder Virginie Despentes „Baise-moi”. In all diesen Filmen sind explizite pornografische Szenen vorhanden die weniger lustempfindenden Charakter haben sollen, als vielmehr die Figuren bzw die Geschichte unterstreichen. Jetzt kann man darüber streiten ob es denn nicht auch dann ohne diese expliziten Szenen gegangen wäre, was sicherlich Narrative zu bejahen wäre aber film- konzeptionell sicherlich auf einem anderen Blatt steht. Unbedingt zu bemerken ist auch das in fast keinen dieser Filme die menschliche Sexualität bzw. der Sexualakt die grundlegende Prämisse des jeweilgen Filmes beinhaltet. In Irreversible geht es mehr oder weniger um das Thema Rache, ebenso wie in Baise-moi, den man aber auch als Hard Core Variante von Thelma and Lousie bezeichnen kann und 9 Songs eher als Liebesfilm mit sehr freizügigen Elementen durchgehen muss.

Deutlich muss man bei der ganzen damit verbundenen Diskussion nochmal einen Aspekt betrachten der uns auch ziemlich nah an den Punkt der strafrechtlichen Bewertung bringt. Pornografie als Kunstform oder als reines Massenprodukt ist nicht strafbar (nur die Verbreitung wird zu recht reklementiert ) ; Gewaltpornografie dagegen schon. Unter Gewaltpornografie laufen die Varianten 1. Vergewaltigung 2. Sodomie und 3. Kinderpornografie. Meisten natürlich weil aus der Natur der Sache heraus nicht zu unterscheiden ist wie hoch im flmästethischen Sinne natürlich nur, ihr tatsächlicher Authentizitätsgrad nun ist. Kinder und auch Tiere sind daher von vornherein von einer Unterscheidung auszuschliessen, weil diese nicht freiweillig darüber entscheiden können und dies als Eingriff in ihre freiheitlichen Grundrechte zu betrachten ist. Gehen wir jetzt nocheinmal auf die drei erwähnten Filme zurück, so ist festzustellen das zumindest “Baise Moi” den harten pornografischen Tatbestand erfüllt da hier explizit und in Naheinstellung eine Vergewaltigung gezeigt wird, wenn auch natürlich von einer Schauspielerin in der Ausübung im Beruf dargebracht. Caspar Noirs “Irreversible” zeigt zwar eine neunminütige Vergewaltigung aus der Totalen einer Bodenkamera, und später beim Zurückziehen einen erigierten Penis; der aber später digital eingefügt wurde.

In den nächsten Jahren wird es sehrwahrscheinlich auch für den kleinen grafisch bewanderten Filmemacher mit abnormalen Sexualverhalten kein Problem mehr sein seine eigenen Pornos bzw. Gewaltpornos zu produzieren, und dabei schon zu 100 % auf die Hilfe digitaler Filmtechniken zurückzugreifen. In diesem Moment würde nicht gleich automatisch eine rechtliche Grauzone entstehen weil auch die virtuelle Pornografie laut Paragraph 184 b Strafgesetzbuch  rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Wieweit die Problematik mit virtueller Pornografie in unser Gesellschaft die Strafgesetzbehörden und Gerichte bewegt zeigt schon der Umstand das seit ungefähr dem Jahre 2007 das LKA München eine eigene Cyber Streife in der Online Welt von Second Life instaliert hat.

Aber das Problem der unrefektierten, reizüberfluteten Sexualität soll hier gar nicht das Thema sein, sondern in wieweit man heutzutage als Künstler diese Thematik in sein Schaffen intergrieren kann ohne dabei gleich Probleme mit den Strafgesetzbehörden zu bekommen. Hier kommt deutlich der Aspekt der Kunst als Gegenkultur ins Spiel, was im Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichtes zum “Joefine Mutzenbacher Urteil “ sich wiederspiegelt. Hier haben die Richter deutlich zum Audruck gebracht das Pornografie nicht automatisch Kunst ist, aber natürlich Kunst sein kann wenn es künstlerisch, also selbstreflektiv verarbeitet würde und nicht auf die Verschärfung des blossen Reizes ausgerichtet sei.

Die juristische Definition des Begriffes Pornographie :” Als pornographisch ist eine Darstellung anzusehen, wenn sie unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise in den Vordergrund rückt und ihre Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuellen Dingen abzielt. “ ist demnach auch ziemlich eindeutig in Bezug auf die bevorstehenden Arbeiten an dem Projekt der “120 Tage von Zion”

Das Thema Nackheit, geschlechtliche Norm und Bedeutung des Sexualaktes wird hier eine neue Definition erhalten und versuchen DAS MODERNE ERZÄHLKINO ZU REVOLUTIONIEREN. Ob im klassischen Sinne das Projekt als Film den Ansprüchen der Dramaturgie genügen wird steht auch hier wieder auf einem anderen Blatt. Hier gibt es völlig andere Ansprüche und Herausforderungen die einfach mit der stilvollen Kunst des morderenen Erzählens etwas zu tun hat. Wie entwickle ich also eine stimmungsvolle, spannungsreiche emotional nachvollziehbare Geschichte die dabei so viele Menschen wie nur möglich bewegt.

Die Absicht den Film in der 3d Technik zu drehen bzw später evtl drehen zu lassen hat nicht die Absicht mögliche strafrechtlich relevante Aspekten aus dem Weg zu gehen, da wie wir weiter oben festgestellt haben es völlig egal ist ob nun ein erregtes Genital virtuell oder real gefilmt wurde. Der Grund ist hauptsächlich der, durch die starke Form der Abstrahierung den Authetizitätsdruck zu beugen und somit herunterzubrechen und gleichzeitig auch dadurch die menschliche Triebreizung herbzusenken so das sich alle auf das selbstreflekive Element des Stoffes bzw. der jeweiligen Szene konzentrieren können. Nichts Anderes tue ich ja schon seit Jahren in einigen meiner Bilder (Ecce Homo, bzw Polyeroticon). Dort gibt es in einigen Bildern eregierte Gechlechtteile zu sehen, die aber weniger etwas mit Zurschaustellung, als vielmehr mit den verschiedenen Aspekten von Macht etwas zu tun haben. Die Darstellung von Nacktheit, gerade in den gebrochene polygonalen Formen und Oberflächen, hat immer etwas von Verletzlichkeit und nie etwas mit Erregung zu tun.